Korseby Online - Ricciaceae

Ricciaceae

Die Vertreter der thallösen Lebermoosfamilie Ricciaceae bilden gegabelte Thalli aus. Viele Arten besiedeln eng an Wasser gebundene Lebensräume.

Riccia cavernosa (Grubiges Sternlebermoos)

riccia cavernosa
Riccia cavernosa
Einzelne Pflanzen von Riccia cavernosa wachsen in kleinen Gruppen oder herdenweise in Rosetten von bis zu 1,5 cm Druchmesser. Die lebhaft gelblich-grün bis olivgrün gefärbten Thallussegmente sind breit und unregelmäßig angeordnet. Ältere Teile werden schnell bleichbraun. Ein Thallus besteht aus eng angeordneten, etwa 1 bis 2 mm breiten, flachen Lappen, die an der Spitze ausgerundet und durch Luftkammerbildung schwammig sind. Die älteren Teile haben, durch Auflösung der Luftkammerdecken, zahlreiche, kraterartige Öffnungen. So entsteht ein charakteristisches schwammig-grubiges Aussehen.
Bauchschuppen sind nicht vorhanden. Kapseln sind im Thallus eingeschlossen und über den gesamten Thallus, besonders im basalen Bereich, verteilt und auf der Oberseite weniger hervortretend als auf der Unterseite. Sie bringen rot-braune, später schwarze, unregelmäßig papillösen Sporen von 60 bis 120 µm Durchmesser hervor. Sporenreife erfolgt im Herbst. Die Pflanzen sind pionierfreudig und einjährig.
Riccia cavernosa ist fast kosmopolitisch verbreitet und besiedelt offene, sonnige, basen- und kalkreiche, meist dauerhaft feuchte Standorte und wächst auf lehmigem, tonigem und sanidg-lehmigem Untergrund. Es ist in Uferbereichen auf trockengefallenem Schlick, auf teilweise überschwemmten Äckern, in Kies- und Sandgruben und sekundär auch entlang feuchter Wegränder anzutreffen. Typische Begleitarten sind Physcomitrella patens, Bryum rubens oder in Schlammfluren Limosella aquatica. In Deutschland ist es durch Stillegung und das Ausbleiben periodischen Trockenfallens von Uferbereichen und durch Entwässerung bedroht.

Riccia fluitans (Untergetauchtes Sternlebermoos)

riccia fluitans
Riccia fluitans
riccia fluitans detail
Riccia fluitans
Detail (32x)
Das Untergetauchte Sternlebermoos (oder auch Flutendes Teichlebermoos genannt) Riccia fluitans ist ein auf dem Wasser schwimmendes oder untergetaucht vorkommendes Wasserlebermoos. Im Herbst verschwinden die Pflänzchen plötzlich und sinken auf den Gewässergrund ab. Aus den überdauernden Thallusspitzen entwickeln sich im Frühjahr wieder neue Individuen. Das Lebermoos fruchtet äußerst selten.

Vorkommen
Riccia fluitans besiedelt meist flache, sonnige bis schattige, meso- bis eutrophe, schwach saure bis kalk- oder basenreiche Stehgewässer. Es wächst zumeist submers unter oder emers auf dem Wasser. Seltener können auch Landformen an feuchten Ufern beobachtet werden. Häufig kommt es zusammen mit Lemna-Arten vor und wird durch diese zurückgedrängt.

Erkennungsmerkmale
Das Lebermoos bildet hellgrüne, bandförmige Thalli aus, die mehrfach unregelmäßig gegabelt sind und bis 4 cm lang werden können. Landformen sind häufiger auch violett überlaufen und können bis 2,8 mm breit werden, während die Wasserformen nur bis 1,2 mm breit werden. Die Thallusenden sind abgerundet, etwas verbreitert, mit ein oder zwei Einschnitten und mit darunter liegenden, durchsichtigen Luftkammern versehen, die eine netzartige Felderung aufweisen. Nicht selten sind Atemöffnungen vorhanden. Die farblosen, halbmondförmigen Bauchschuppen sind entlang der Mittellinie nur spärlich ausgebildet.

Ricciocarpos natans (Schwimmendes Wassersternlebermoos)

ricciocarpos natans
Ricciocarpos natans
Erkennungsmerkmale
Ricciocarpos natans ist ein auf dem Wasser schwimmendes oder flutendes Lebermoos, das einen fächerförmigen Wuchs aufweist, bis 10 mm lang ist, eine Mittelfurche hat und auf der Oberseite grünlich, auf der Unterseite bräunlich-violett gefärbt ist. Die nicht-flutende Landform wird bis 3 cm groß und ist auf der Oberseite hellgrün gefärbt. In die Epidermis sind vom 5 bis 6 Zellen umgrenzte Atemöffnungen eingesenkt. Ölkörperzellen und Assimilationsgewebe mit Luftkammern sind im aus wenigen Schichten bestehenden Grundgewebe vorhanden. Die Ventralschuppen sind bräunlich-violett, mehrzellig und besonders bei der Wasserform gut ausgebildet.

Vorkommen
Ricciocarpos natans besiedelt halbschattige bis schattige, zumeist ufernahe Bereiche in nährstoffärmeren bis schwach eutrophen, basen- oder kalkreichen, ammoniumhaltigen und phosphatarmen Stillgewässern. Es ist besonders auf feuchtem Schlammboden, in Wassergräben, geschützten Buchten von Seen oder Teichen zu finden. Typische Begleitarten sind Lemna trisulca, Lemna minor, Spirodela polyrhiza oder Riccia fluitans. Durch Eutrophierungen und Zerstörung von kleinräumigen Feuchtgebieten ist das Lebermoos bedroht.