Korseby Online - Orthotrichaceae
Orthotrichales
Die Ordnung der Orthotrichales umfasst niederliegende bis aufsteigende, meist unverzweigte Moose. Viele der Vertreter besitzen eine epiphytische Lebensweise. Generelle Merkmale der innerhalb dieser Ordnung stehenden Arten sind u.a. am Ende sehr kurzer Seitenästchen stehende Sporophyten.
Orthotrichaceae
Orthotrichaceae beschreibt eine Moosfamilie, deren Vertreter polster- oder rasenförmig wachsen und fast weltweit auf Erde, Gestein und Rinden vorkommen. Die Moose, die zu dieser Familie gehören, bilden kriechende bis aufrechte Stämmchen aus, die häufig gekräuselte, anliegende oder gekielte Blätter aufweisen, die zungenförmig und meist ganzrandig sind. Die Blattrippe reicht bis zur Blattspitze. Die Laminazellen sind im oberen Blattabschnitt rundlich und an der Blattbasis eher rechteckig mehr oder minder verlängert und oft durchsichtig. Die Sporogonen stehen durch Übergipfelung von Seitenästen scheinbar seitenständig. Das nur selten fehlende Peristom ist meist doppelt ausgebildet. Eine vegetative Vermehrung durch Brutkörper ist nicht selten.
Die Moosfamilie umfasst insgesamt 14 Gattungen, die in den gemäßigten und wärmeren Teilen der Erde vorkommen. In Europa kommen nur 3 Gattungen vor.
Orthotrichum (Goldhaarmoose)
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Erkennungsmerkmale
Arten der Orthotrichum-Gattung bilden aufrechte Stämmchen aus. Ihre eilänglich bis lanzettlich geformten, ungesäumten, anliegenden oder abstehenden Blätter sind im trockenen Zustand nicht gekräuselt. Die Blattränder sind dagegen meist umgerollt oder zurückgeschlagen. Die Mittelrippe reicht bis in die Blattspitze und tritt nur bei der Art Orthotrichum diaphanum als hyaline Glasspitze aus. Die Laminazellen sind häufig papillös, rechteckig bis rundlich sechsseitig.
Die Seta der Sporogone ist äußerst kurz. Die Kapsel ist daher in die Blattrosette eingesenkt. Diese überragt sie meist nur wenig. Sie besitzt 8 bis 16 Furchen. Die Kalyptra ist kegel- bis glockenförmig. Das Peristom ist meist doppelt ausgebildet.
Goldhaarmoose können sich auch vegetativ durch die Ausbildung blattbürtiger Brutkörper vermehren.
Orthotrichum affine (Verwandtes Goldhaarmoos)
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Orthotrichum affine
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Orthotrichum affine
Kapsel |
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Orthotrichum affine
Stoma (400x) |
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Orthotrichum affine
Peristomzahn (400x) |
Das relativ variable Orthotrichum affine bildet lockere, dunkle grüne, oder bleichgelbgrüne Rasen oder Polster. Die büschelästigen Stämmchen werden etwa 1-3 cm hoch und tragen trocken anliegende und feucht abstehende, bis 3,5 cm lange Blätter, die verlängert lanzettlich geformt sind und scharf zugespitzt sind. Die Blattränder sind bis zur Spitze umgerollt. Die Blattrippe endet gewöhnlich in der Spitze. Die ein- oder zwei-papilligen Laminazellen sind zur Rippe hin verlängert, sonst jedoch rundlich-quadratisch geformt und etwa 25 bis 55 µm lang und 8 bis 16 µm breit. Die fast bis zur Hälfte in die Blätter eingesenkte verlängert-zylindrische Kapsel ist besonders trocken deutlich achtstreifig und weist einige wenige phanerophore (nicht eingesenkte) Spaltöffnungen auf. Das doppelt vorhandene Peristom bringt papillöse Peristomzähne hervor, die häufig nach außen zurückgeschlagen sind. Die bräunlichen Sporen sind etwa 18 bis 24 µm im Durchmesser. Eine Sporenreife erfolgt von Juni bis Oktober. Gelegentlich kommen auch einige wenige Brutkörper vor.
Verwechslungsgefahr besteht mit Orthotrichum speciosum, welches jedoch nicht so stark gestreifte Kapseln und eine stark behaarte Kalyptra aufweist.
Vorkommen
Orthotrichum affine ist ein epiphytisches Moos, welches besonders die Rinde von Laubbäumen wie Pappeln, Eschen, Linden, Ahorn, Obstbäume oder öfrters auch Sträucher besiedelt. Selten ist es auf Nadelbäumen und Buchen zu finden. Auch kalkfreies Gestein wird nur selten besiedelt. Orthotrichum affine ist vom Flachland bis ins Gebirge verbreitet und in Deutschland die häufigste Art der Gattung. Es ist sonst in ganz Europa bis West-Asien und in Teilen Nordwest-Amerikas verbreitet. Typische Begleitmoose sind Pylaisia polyantha, Frullania-Arten und anderen Orthotrichum-Arten. Scheinbar wird durch Luftverunreinigungen die Fertilität von O. affine negativ beeinflusst.
Orthotrichum diaphanum (Hauchdünnes Goldhaarmoos)
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Orthotrichum diaphanum
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Vorkommen
Das Moos besiedelt die Rinde lebender Bäume und ist auch häufig auf Gestein zu finden. Es handelt sich um eine auf der gesamten Nordhemisphäre verbreitete Art, die nitrophile (stickstoffreiche) Standorte liebt. Sie kommt disjunkt auch im südlichen Südamerika vor. Die Art tritt heute besonders in der Nähe des Menschen auf. Derzeit ist es besonders in den Städten in starker Ausbreitung begriffen. Es gilt als eines der häufigsten heimischen epiphytischen Laubmoose. Gegen SO2 ist es wohl entgegen anderer Orthotrichum-Arten relativ resistent.
Merkmale
Das Moos bildet bis 1 cm hohe Polster aus. Es besitzt oval-elliptische Blätter, deren Blattränder zurückgerollt sind. Die Mittelrippe endet vor der Blattspitze und läuft in eine deutlich hyaline (durchschimmernde) Glasspitze aus. Die Kapsel ist fast ganz in die Blätter eingesenkt. Im trockenen Zustand weist sie 8 deutlichen Furchen auf.
Orthotrichum anomalum (Stein-Goldhaarmoos)
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Orthotrichum anomalum
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Orthotrichum anomalum ist ein basiphiles Gesteinsmoos und besiedelt Felsen, Mauern, Beton und seltener Baumbasen. Es ist in ganz Europa häufig.
Erkennungsmerkmale
Die bis zu 2,5 cm hohen Pflanzen wachsen in dunkelgrünen, meist handflächengroßen Polstern. Die trocken angelegten, feucht abstehenden Blätter sind oval-lanzettlich geformt, zugespitzt, bis 2,7 mm lang und am Rand bis zur Spitze umgerollt. Die Blattrippe endet kurz vor der Spitze. Die rechteckigen, basalen Laminazellen sind hylin und dünnwandig. Die obere Laminazellen sind dagegen rundlich, 6 bis 12 µm im Durchmesser und weisen meist 2 kleine Papillen auf. Die zylindrische Kapsel ist deutlich über die Blätter empor gehoben. Sie hat 8 oder 16 Streifen. Die Kalyptra ist kegel- bis glockenförmig und mit einigen Haaren versehen. Die 8 Persitomzähne trennen sich beim Altern zu 16 Einzelzähnen.
Ulota (Krausblattmoose)
Die Krausblattmoose Ulota sind eine Moosgattung aus der Familie der Orthotrichaceae, die weltweit mit etwa 60 Arten vorkommen, wovon in Europa 8 Arten bekannt sind. Hierunter versteht man zumeist polsterförmige Rindenmoose, die nur selten auf Felsen oder auf Erde wachsen. Sie weisen trocken gekräuselte Blätter auf, die der Moosgattung letztlich zu ihrem deutschen Namen verholfen haben. Im feuchten Zustand stehen die Blätter zumeist ab. Sonst sind diese lanzettlich geformt und häufig gekielt. Der Blattrand ist nicht selten vom Grund bis zur Mitte umgerollt. Die Blattrippe endet meist kurz vor der Blattspitze. Die Sporophytengeneration dieser Moosgattung bildet zudem aufrechte, meist 8-furchige Kapseln aus, die eine glockenförmige, oft behaarte Kalyptra aufweisen.
Ulota bruchii (Bruchs Krausblattmoos)
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Ulota bruchii
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Ulota bruchii Kapsel
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Vorkommen
Bruchs Krausblattmoos wächst bevorzugt an Laubholzborke in Nähe von Gewässern. Auf feuchter Erde kommt es jedoch nur selten vor. Da es empfindlich auf Luftverschmutzung reagiert, sind seine Bestände in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Deshalb fehlt es heutzutage meist in der Nähe von Städten. Es soll sich jedoch neuerdings wieder in Ausbreitung befinden. Es ist sonst nur in Europa verbreitet und kommt dort auch in höheren Lagen vor.

















