Korseby Online - Bryaceae

Bryaceae

Die Birnmoose erhielten ihren deutschen Namen wegen ihrer birnförmigen Kapsel, die nie aufrecht sondern immer hängend oder nickend ist.

Index

Bryum argenteum (Silbermoos)

bryum argenteum
Bryum argenteum
bryum argenteum sporogon
Bryum argenteum Kapsel
Erkennungsmerkmale
Das Silbermoos ist, zumindest in trockenem Zustand, silbrig-grün oder weißlich-grün gefärbt. Das liegt daran, dass die breit eiförmig geformten Einzelblättchen in der Spitze kein Chlorophyll bilden. Die Rippe endet über der Blattmitte (siehe Abb.). Die Stängel sind kätzchenförmig oder schuppenartig beblättert, so dass die einzelnen Astchen wie kleine Würmchen aussehen. An feuchten nicht gestörten Standorten können die Ästchen auch etwas stärker waagerecht beblättert sein. Die oberen Zellen der Blattfläche (Laminazellen) sind verlängert rhombisch bis länglich rhombisch geformt. Die Kapsel des Sporophyten ist kurz zylindrisch, erscheint an der Basis breiter und ist dunkelrot bis schwarz gefärbt.

Vorkommen
Das kosmopolitisch verbreitete Silbermoos ist eine stickstoffliebende Art. Es gilt als Kulturfolger der Menschen, da es bevorzugt auf Gestein, in Lücken von Pflastersteinen und auf Asphalt an Straßenrändern wächst. Der ursprüngliche Lebensraum waren vermutlich ausschließlich Vogelfelsen. Sonst ist es auch auf nitrophilen Böden nahe der Siedlungsbereiche anzutreffen. Gerade in Innenstädten oder in Industriegebieten trifft man das Silbermoos besonders häufig. Es wächst sowohl in artreinen Rasen, als auch eingesprengt zwischen anderen Moosen.

Vergesellschaftung
Das Silbermoos ist Charakterart der Mastkraut-Trittgesellschaft Bryo-Saginetum procumbentis. Es ist die typische Trittgesellschaft gepflasterter Plätze und Wege, welche besondere mechanische Belastungen ertragen kann. Es kommt dort zusammen mit dem rosettenartig wachsenden Niederliegenden Mastkraut vor. In wärmeren Lagen der zentralen Innenstädte gesellen sich häufig verschiedenste wärmeliebende Gräser hinzu. Sowohl das Kleine Liebesgras Eragrostis minor als auch das Einjährige Rispengras Poa annua wachsen häufig an solchen Stellen.

bryum argenteum blatt
Bryum argenteum
Blatt (40x)
bryum argenteum antheridien
Bryum argenteum
Antheridien (125x)
bryum argenteum paraphysen
Bryum argenteum
Paraphysen (125x)

Bryum bicolor (Zweifarbiges Birnmoos)

Das diözische Zweifarbige Birnmoos Bryum bicolor ist ein unauffälliges, aber relativ häufig vorkommendes Moos.

Vorkommen
Bryum bicolor ist ein konkurrenzschwaches Pioniermoos, welches an vielen Standorten vorkommen und diese schnell neu besiedeln kann. Es bevorzugt lichtreiche, frische bis feuchte, basenreiche, kalkhaltige, offene Standorte mit sandig-lehmigen, oder tonigen Böden. Es besiedelt Ruderalflächen, Erdaufschüttungen, an Böschungen, in Gartenbeeten, auf Stoppeläckern, in Blumentöpfen, in Kies- und Tongruben, offenerdigen Stellen auf Wiesen, Weiden, Trockenrasen und in Fugen von Mauern. Es wächst oft zusammen mit Bryum argenteum, Bryum barnesii, Bryum rubens, Barbula unguiculata, Barbula convoluta, Barbula fallax und Phascum cuspidatum. In Europa ist es weit verbreitet. Im Norden dringt es bis nach Skandinavien und Island vor, im Süden bis in Teile Afrikas, im Osten bis nach Russland. Sein natürliches Vorkommen ist wohl entlang von Flussufern und in oft uberfluteten Stromtälern.

Erkennungsmerkmale
Bryum bicolor wächst in lockeren bis dichten 1,5 cm hohen Rasen. Es bildet gelblich braune Rhizoide aus. Seine hohlen Blätter sind trocken anliegend, feucht dagegen aufrecht abstehend. Sie sind eiförmig lanzettlich geformt und verlaufen allmählich in eine längere Spitze. Die Blattrippe endet meist in der Blattspitze und tritt nur selten aus. Die Laminazellen sind in der Blattmitte verlängert sechseckig, 10 bis 18 µm breit und 40 bis 80 µm lang. Der Blattrand ist als Saum von 2 bis 3 Reihen langgestreckter sechseckiger Zellen ausgebildet. Das Moos bildet an der Spitze der Stämmchen eiförmige Brutkörper, die 200 bis 480 µm lang sind. Die Blattprimordien der Brutkörper befinden sich nur in der oberen Hälfte. Die rötlich gefärbte Seta wird 1,5 cm lang und trägt rot gefärbte, hängend eiförmige Kapseln, die pötzlich in die Seta verschmälert sind. Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem sehr ähnlichen Bryum barnesii, welches jedoch mehrere statt nur 1 bis 2 Paare von Brutkörpern in den Blattachseln aufweist.

Bryum barnesii

bryum barnesii
Bryum barnesii feucht
bryum barnesii trocken
Bryum barnesii trocken
Bryum barnesii ist ein variables, diözisches Moos, welches nur selten Sporogone ausbildet.

Vorkommen
Es ist ein konkurrenzschwaches Pioniermoos, welches neue Standorte schnell besiedeln kann. Es kommt auf offener, basenreicher, oft kalkhaltiger, humusarmer, lehmig-toniger, sandig-lehmiger, oder kiesiger Erde an lichtreichen, frischen bis feuchten Standorten vor. Es besiedelt bevorzugt Kies- und Lehmgruben, Steinbrüche, ruderale Weg- und Straßenränder, ist auf Erdaufschüttungen, in Pflasterfugen, Lücken von Wiesen, Weiden und Brachäckern, in Gartenbeeten und besonders an überfluteten Flussufern und in Stromtälern zu finden. Es wächst oft zusammen mit Bryum argenteum, Bryum bicolor, Bryum rubens, Barbula unguiculata, Barbula convoluta, Dicranella varia, Barbula fallax und Phascum cuspidatum. Wahrscheinlich ist es in ganz Europa zerstreut verbreitet. Seine Verbreitung ist jedoch nur ungenügend bekannt, da es erst in neuerer Zeit von Bryum bicolor s. str. als eigene Art abgetrennt worden ist.

Erkennungsmerkmale
Bryum barnesii bildet gelblichgrün bis olivgrün gefärbte, bis 1,5 cm hohe Pflänzchen aus, die in kleinen, lockeren Rasen oder Herden wachsen. Seine Rhizoide sind rotbräunlich gefärbt. Die hohlen Blätter sind trocken anliegend, feucht dagegen aufrecht abstehend. Sie sind eiförmig lanzettlich, meist stumpf und kurz zugespitzt, seltener kang zugespitzt. Die Blattränder sind meist wenig verbogen. Die Blattrippe ist kräftig entwickelt, endet in der Blattspitze und tritt nur selten kurz aus. Die Laminazellen sind in der Blattmitte 10 bis 15 µm breit und 40 bis 80 µm lang. An den Blattändern sind sie deutlich schmaler und bilden einen schwachen Saum aus 2 bis 3 Zellreichen. An der Spitze der Stämmchen bildet es zahlreiche, verkehrt eiförmige Brutkörper aus, die stets zu mehreren (bis 15) in den Blattachseln stehen. Diese sind zwischen 200 µm und 500 µm lang und setzen die Blattprimordien nur im oberen Drittel an. Die Seta ist bis 1,5 cm lang und weist eine bräunlich gefärbte, hängende Kapsel auf, die eiförmig ist und plötzlich in die Seta verläuft. Es besteht Verwechslungsgefahr mit Bryum bicolor. Doch durch die reichlich vorhandenen Brutkörper ist sie gut zu unterscheiden.

bryum barnesii blatt
Bryum barnesii
Blatt (125x)
bryum barnesii blattsaum
Bryum barnesii
Blattsaum (250x)
bryum barnesii brutkoerper
Bryum barnesii
Brutkörper (250x)

Bryum capillare (Haarblättriges Birnmoos)

bryum capillare
Bryum capillare
 
bryum capillare lamina
Bryum capillare
Laminazellen (400x)

Bryum caespiticum (Rasen-Birnmoos)

Bryum caespiticum, das Rasen-Birnmoos, ähnelt Bryum capillare, unterscheidet sich jedoch durch die Form der schmal lanzettlichen Blätter, die allmählich in eine Scharfe Spitze auslaufen, den Seten, die rötlich gefärbt sind und den glatten, etwa 10 bis 14 µm kleinen Sporen. Der Blattrand ist aus 2 bis 3 Zellen schwach und undeutlich gesäumt. Die Blattrippe ist oft rötlich. Bryum caespiticum ist ein kosmopolitisches Moos, welches offene, oft basen- oder kalkreiche, sandig bis lehmige, frische bis feuchte, lichtreiche Standorte auf Erde besiedelt. Es ist ruderal an Wegrändern, auf Schutt, an Gewässerufern, in lückigen Wiesen und Weiden und auf übererdetem Gestein zu finden. Die pionierfreudige, konkurrenzschwache Art wird oft von Barbula unguiculata, Barbula convulata, Bryum argentueum, Bryum bicolor, Bryum pseudotriquetrum oder Dicranella varia begleitet.

bryum caespiticum
Bryum caespiticum
 
bryum caespiticum blatt
Bryum caespiticum
Blatt (40x)
bryum caespiticum lamina
Bryum caespiticum
Laminazellen (400x)

Bryum elegans (Zierliches Birnmoos)

bryum elegans
Bryum elegans
Das Zierliche Birnmoos Bryum elegans wächst in dichten, grünen, innen rötlichbraunen Rasen. Es kann zum Artenverbund Bryum capillare agg. gestellt werden.

Erkennungsmerkmale
Besonders charakteristisch an Bryum elegans sind die stark, grob oder fein papillösen Rhizoide. Die trocken eng anliegenden, feucht aufrecht abstehenden Blätter sind eiförmig und ziemlich plötzlich in eine mehr oder minder lange, oft etwas zurückgebogene Haarspitze ausgezogen. Der Blattrand ist meist aus 1 bis 2 Reihen verlängerter Zellen gesäumt. Die Mittelrippe ist bei älteren Blättern oft rötlich gefärbt und tritt auch bei jungen Blättern als kurze Granne aus. Die 35 bis 50 µm langen und 15 bis 20 µm breiten Laminazellen sind undeutlich getüpfelt. Die Sporen haben einen Durchmesser von 11 bis 15 µm und werden im Sommer gebildet. Jedoch findet eine Sporenreife wohl nur selten statt.

Vorkommen
Bryum elegans besiedelt kalkreiche, basenreiche, lichte bis halbschattige, trockene bis schwach feuchte Standorte. Dort ist es zumeist lithophytisch auf Felsen, Steinen, oder in übererdeten Felsspalten und Vertiefungen zu finden. Weniger häufig besiedelt es auch felsreiche Trockenrasen, humoser, kalkhaltiger Erde. Dabei bevorzugt das Moos stets offene, wenig beschattige Stellen. Sein Hauptvorkommen besitzt es in Mitteleuropa. Arealgrenzen sind im Norden Island, im Süden Nord-Afrika und im Osten Russland. Es kann bis in nivale Höhenstufen der Alpen vordringen.

bryum elegans habitus
Bryum elegans
Habitus (40x)
bryum elegans lamina
Bryum elegans
Laminazellen (400x)
bryum elegans rhizoide
Bryum elegans
papillöse Rhizoide (400x)

Bryum flaccidum (Syn. Bryum laevifilum) (Schlaffes Birnmoos)

bryum flaccidum
bryum flaccidum blatt
Bryum flaccidum
Blatt (40x)
bryum flaccidum lamina
Bryum flaccidum
Laminazellen (400x)
Erkennungsmerkmale
Bryum flaccidum (oder auch als Bryum laevifilum geführt) bildet lockere bis dichte, grünliche, bis 2 cm hohe Rasen. Das auffälligste Merkmal, welches es von den anderen Bryum-Arten unterscheidet sind fraglos die einzellreihigen, fadenförmigen, zuerst grünen dann braunen Brutkörper und die relativ spärliche Beblätterung. Die Blätter sind ziemlich plötzlich in eine lange Spitze verschmälert. (U.a. deshalb wird das Moos auch im Aggregat Bryum capillare agg. geführt.) Im trockenen Zustand sind sie stark verdreht und bilden eine fast knospenförmige Moospflanze. Der Blattrand ist flach und nur schwach 1- oder 2-reihig gesäumt. Die Laminazellen des Blattgrundes sind meist in einem bräunlich-grünen Farbton abgesetzt. In der Blattmitte werden die Zellen 42 bis 52 µm lang und 14 bis 21 µm breit.

Vorkommen
Bryum flaccidum besiedelt lichte bis halbschattige, frische bis feuchte, besonders luftfeuchte, basen- und mäßig kalkeiche Stellen epiphytisch an der Rinde von Laubbäumen, auf freiliegenden Baumwurzeln, an Baumstümpfen, oder auf morschem Holz, vereinzelt auch auf Mauern oder auf Roh-Erde. Das Moos ist circumboreal verbreitet und auch in Deutschland relativ häufig. Es ist gegen Luftverschmutzung mäßig empfindlich. Typische Begleitmoose sind Frullania dilatata, Metzgeria furcata, Radula complanata oder Orthotrichum affine.

Bryum subapiculatum

bryum subapiculatum
Bryum subapiculatum
Bryum subapiculatum ist ein selten fruchtendes, konkurrenzschwaches Pioniermoos, welches sich hauptsächlich vegetativ durch rhizoidbürtige Brutkörper (Rhizoidgemmen) vermehrt. Es gehört zu der Moosgruppe Bryum atrovirens agg..

Merkmale
Das diözisches Laubmoos bildet 0,5 bis 1 cm große Pflänzchen aus und wächst lockerrasig in kleinen Herden. Meist ist es jedoch mit nur wenigen Pflänzchen eingesprengt zwischen anderen Moosen zu finden. Die lanzettlich geformten Blätter sind ungesäumt und weisen eine rötliche Blattbasis auf. Sie sind im Gegensatz zum nahe verwandten Bryum capillare agg. allmählich zugespitzt. Die rötlich gefärbte Blattrippe tritt kurz aus dem Blatt aus. Die Laminazellen in der Mitte des Blattes sind verängert sechseckig und etwa 10 bis 16 µm breit. Die Laminazellen an der Blattbasis sind rechteckig geformt. Das Moos weist bräunlich gefärbte Rhizoide auf, an denen häufig rotbraune, rhizoidbürtige Brutkörper (Rhizoidgemmen) vorkommen, die um die 150 µm groß werden.

Vorkommen
Bryum subapiculatum bevorzugt kalkfreie, basenreiche oder schwach saure, lehmig-tonige bis sandige, manchmal humushaltige, trockene bis feuchte Böden. Es besiedelt Stoppelfelder, Bodenaufwürfe, überwachsene Steine, brachliegende Felder und andere ruderal, vielfach gestörte Standorte. Sein Vorkommen ist im wesentlichen auf die nördlichen Teile Mitteleuropas beschränkt. Es kommt hauptsächlich in Deutschland, Frankreich, auf Island, den Britischen Inseln und in Skandinavien vor. Im Mittelmeergebiet ist es nur noch selten anzutreffen. Es dringt bis in die westlichsten Teile Russlands vor. Einzelne Vertreter wurden wohl auch in Neuseeland und Nordamerika gefunden.

bryum subapiculatum blatt
Bryum subapiculatum
Blatt (125x)
bryum subapiculatum lamina
Bryum subapiculatum
Laminazellen (400x)
bryum subapiculatum rhizoidgemmen
Bryum subapiculatum
Rhizoidgemmen (32x)

Bryum rubens (Rötliches Birnmoos)

bryum rubens
Bryum rubens
bryum rubens rhizoidgemmen
Bryum rubens
Rhizoidgemmen
Erkennungsmerkmale
Bryum rubens wächst in 1,5 cm hohen, kleineren Gruppen oder Herden und gehört zum Artenkomplex Bryum atrovirens agg.. Charakteristisch sind die rundlichen, rötlich-violetten oder bräunlich-schwarzen Rhizoidgemmen zwischen den gelblich-rotbraunen, etwas papillösen Rhizoiden. Sie sind etwa 180 bis 260 µm groß. Die trocken etwas eingedrehten, feucht aufrecht abstehenden, eiförmig lanzettlichen Blätter sind allmählich scharf zugespitzt und gegen die Blattspitze gezähnelt. Die Blattrippe tritt zumeist als kurze gezähnte Spitze aus. Die dünnwandigen, verlängert sechseckigen Laminazellen sind etwa 13 bis 20 µm breit und 50 bis 80 µm lang. Schmale, verlängerte Zellen bilden einen ein- oder zweischichtigen Saum. Die rötliche Seta wird etwa 2,5 cm lang und trägt eine hängende, zylindrische, rötlich-braune Kapsel, die nur etwa 10 µm kleine Sporen hervorbringt. Eine Sporogonbildung ist jedoch selten.

Vorkommen
Bryum rubens ist ein konkurrenzschwaches Pioniermoos, das offene, lichtreiche bis halbschattige, trockene bis feuchte, basische bis schwach saure, kalkarme oder wenig kalkreiche Standorte auf lehmiger, toniger, sandiger, kiesiger, torf- oder humusreicher Erde besiedelt. Es kommt ruderal an Böschungen, Wegrändern, auf brachen Äckern und Stoppelfeldern, in Schutt- und Kiesgruben, in lückigen Wiesen, Weiden, auf Trockenrasen, in Gartenbeeten, auf übererdetem Gestein oder Felsen vor. Naturstandorte sind wohl frische, gestörte, lichte Gewässerränder und natürliche, übererdete Fels-Stellen. Charakteristische Begleitmoose sind Barbula unguiculata, Barbula convoluta, Bryum bicolor agg., Phascum cuspidatum oder Pottia lanceolata. Das Moos ist in ganz Europa bis in Teile Russlands, sowie in Nord-Afrika und Teilen Amerikas und Neuseeland verbreitet. Durch seine Unbeständigkeit ist es relativ fragmentarisch zerstreut bis semi-häufig.

bryum rubens rhizoide
Bryum rubens Rhizoide
und Rhizoidgemmen (125x)
bryum rubens blatt
Bryum rubens
Blatt (40x)
bryum rubens lamina
Bryum rubens Lamina
und Blatttrand (400x)

Bryum pseudotriquetrum (Bauchiges Birnmoos)

bryum pseudotriquetrum blatt
Bryum pseudotriquetrum
Blatt (40x)
Erkennungsmerkmale
Bryum pseudotriquetrum wächst in oliv- bis bräunlichgrünen, seltener auch rötlichgrünen, bis 10 cm hohen Rasen. Die Stämmchen sind auch im oberen Teil meist rhizoidenfilzig. Die trocken verbogenen, feucht aufrecht abstehenden Blätter sind am Stängel relativ gleichmäßig verteilt. Sie sind eiförmig-lanzettlich und verlaufen allmählich in eine kurze Spitze. Der Blattgrund läuft dem Stämmchen charakteristisch lang herab. Der Blattrand ist zur etwas gezähnelten Spitze hin meist etwas zurückgebogen. Die bis in die Blattspitze reichende Rippe tritt nicht selten auch als kurze Stachelspitze aus und ist in älteren Blättern rötlich gefärbt. Die verlängert sechseckigen Laminazellen sind etwa 15 bis 30 µm breit. Die rechteckigen Zellen des Blattgrundes sind häufig rötlich verfärbt. Der deutliche Blattsaum wird aus 3 bis 6 Reihen schmaler, verlängerter und dickwandiger Zellen gebildet. Die rötliche, bis 7 cm lange Seta trägt eine hängende, verlängert eiförmige, im alter gebräunte Sporenkapsel, die 12 bis 18 µm große Sporen bildet. Eine Sporenreife erfolgt relativ häufig im Frühsommer.
Vegetativ ist das recht variable Moos von den anderen Bryum-Arten wohl am besten durch den herablaufenden Blattgrund, den deutlichen Blattsaum und den allmählich zugespitzten Blättern zu unterscheiden. Es können auch fadenförmige, einzellige Brutfäden in den Blattachseln auftreten.

Vorkommen
Bryum pseudotriquetrum besiedelt sonnige bis halbschattige, feuchte bis nasse, basen- oft auch kalkreiche Standorte und ist an Gewässerrändern, an Gräben, in Röhrichtgesellschaften, in basenreichen Nieder- und Zwischenmooren, auf Nasswiesen und an quelligen Stellen verbreitet. Es bevorzugt kiesige oder tonige Erde, fehlt jedoch auch auf überrieseltem Gestein nicht. Bryum pseudotriquetrum ist ein pionierfreudiges, konkurrenzschwaches, aber recht häufiges Moos der Feuchtstandorte. Außerhalb ist es selten. Typische Begleitmoose sind Calliergonella cuspidata, Campylium stellatum, Dicranella varia, Drepanocladus intermedius, Fissidens adianthoides oder Pellia endiviifolia.

bryum pseudotriquetrum blattgrund
Bryum pseudotriquetrum
Blattgrund (125x)
bryum pseudotriquetrum blattspitze
Bryum pseudotriquetrum
Blattspitze (125x)
bryum pseudotriquetrum lamina
Bryum pseudotriquetrum
Laminazellen (400x)

Bryum imbricatum (Geneigtfrüchtiges Birnmoos)

bryum imbricatum 1
Bryum imbricatum
bryum imbricatum 2
Bryum imbricatum
bryum imbricatum kapseln
Bryum imbricatum Kapseln
Das synözisch, autözische Geneigtfrüchtige Birnmoos Bryum imbricatum gehört zu einer Gruppe von recht ähnlichen Birnmoosen, die allesamt feuchte bis nasse Standorte bevorzugen und z.T. kalkliebende Arten umfasst. Dazu gehören im Wesentlichen Bryum uliginosum, welches grünliche Blattgrundzellen aufweist, Bryum imbricatum, welches rötliche Blattgrundzellen besitzt, und Bryum algovicum, Bryum longisetum, Bryum intermedium, Bryum pallescens, Bryum creberrinum und vor allem Bryum pseudotriquetrum, die einen deutlichen 2-3-reihigen Blattsaum und ebenfalls rötliche Blattgrundzellen ausbilden. Viele dieser Moose kommen auch zusammen an gleichen Standorten vor. Steril sind diese nicht immer eindeutig bestimmbar.

Erkennungsmerkmale
Bryum imbricatum wächst in dichten, frischgrünen bis bräunlich-rot-grünen Rasen. Die oberen Blätter sind gehäuft, vergrößert, stehen feucht aufrecht ab und sind trocken anliegend, eiförmig-lanzettlich geformt und ganzrandig. Sie verlaufen allmählich in eine lange Spitze. Die Blattränder weisen einen schmalen, deutlich abgesetzten Saum aus 2 bis 5 Zellen auf und sind oft deutlich zurückgebogen. Die Laminazellen werden etwa 40 bis 60 µm lang und 12 bis 20 µm breit. Die Laminazellen der Blattbasis sind rötlich gefärbt. Die Blattrippe ist deutlich entwickelt und oft rötlich gefärbt. In den Schopfblättern kann sie auch austreten. Die rötliche Seta wird 1,5 cm bis 4 cm lang und trägt hängende, verlängert eiförmige Kapseln, die im Durchmesser 14 bis 32 µm großen Sporen hervorbringt. Eine reichlich entwickelte Kapselreife erfolgt im Frühjahr.

Vorkommen
Das Geneigtfrüchtige Birnmoos besiedelt basenreiche, kalkhaltige, lichtreiche, frische bis nasse Standorte auf sandiger, lehmiger, oder humusreicher Erde. Es wächst bevorzugt in Sanddünen, an sandigen Gewässerrändern, an Gräben, in Kies- und Tongruben, in Steinbrüchen, auf Mauern und am Rande von Torfausstichen. Das Moos ist nicht nur in weiten Teilen Europas verbreitet (aber auf Grund der Standortansprüche nicht häufig), sondern kommt auch in Südost-Asien, Nordafrika, Teilen Australiens und den circumpolaren Teilen Amerikas vor. In den Alpen dringt es bis in die alpine Stufe vor.

bryum imbricatum blatt
Bryum imbricatum
Blatt (40x)
bryum imbricatum blattgrund
Bryum imbricatum
rötlicher Blattgrund (250x)
bryum imbricatum lamina
Bryum imbricatum
Laminazellen (400x)

Bryum turbinatum (Kreiselfrüchtiges Birnmoos)

bryum turbinatum
Bryum turbinatum
Das diözische Kreiselfrüchtige Birnmoos Bryum turbinatum kommt vor allem in Mooren und Feuchtwiesen vor. Durch die Dezimierung seiner recht selten gewordenen Lebensräume ist es zunehmend bedroht. Meist bildet es zudem recht kleinflächige Bestände.

Erkennungsmerkmale
Bryum turbinatum wächst in dichten bis lockeren, in der Regel bis 2 cm hohen schmutzig- bis gelblichgrünen, öfters auch rötlichen Rasen. Die schlanken sterilen Sprosse sind charakteristisch verlängert und und entfernt beblättert. Die feucht aufrecht abstehenden und trocken etwas gedrehten Blätter sind eiförmig-lanzettlich, allmählich zugespitzt und ganzrandig. Am Blattgrund ist es dem Stängel schwach herablaufend (oft undeutlich erkennbar). Die Blattgrundzellen sind farblich nicht von den anderen Laminazellen abgehoben. Die Mittelrippe endet vor oder in der Blattspitze. Die Laminazellen sind 70 bis 100 µm lang und 17 bis 21 µm breit. Am Blattrand sind sie schmaler und länger und bilden einen schwachen Saum aus 1 bis 3 Zellreihen. Die rötliche Seta wird bis 4 cm lang und trägt eine hängende, reif gelb bis bräunlich gefärbte Kapsel, die breit kreiselig birnenförmig ist und im trockenen Zustand nach dem Abfallen des Deckels unter der Mündung eingeschnürt erscheint. Sie sind in der Regel im Frühsommer reichlich entwickelt.

Vorkommen
Das Kreiselfrüchtige Birnmoos besiedelt feuchte bis nasse, basenreiche, oft auch kalkhaltige, lichtreiche bis halbschattige Standorte. Es wächst auf lehmiger, sandiger, toniger, torf- oder humushaltiger, selten auch kiesreicher Erde. Es ist besonders an den Rändern von Gräben und Teichen, an den Ufern von Gewässern, in lückigen Feuchtwiesen, am Rande von Torf-Ausstichen, in nassem Kalktuff und selten in Fugen und Spalten von Mauern zu finden. Es ist in ganz Mitteleuropa verbreitet, jedoch nicht häufig.

Hinweis: Herbarbeleg sollte noch einmal kritisch gesichtet werden.

bryum turbinatum blatt
Bryum turbinatum
Blatt (40x)
bryum turbinatum blattbasis
Bryum turbinatum
Blattbasis (250x)
bryum turbinatum lamina
Bryum turbinatum
Laminazellen (400x)

Pohlia nutans (Nickendes Pohlmoos)

pohlia nutans
Pohlia nutans
pohlia nutans lamina
Pohlia nutans
Laminazellen (400x)
Das parözische Nickende Pohlmoos Pohlia nutans ist ein verbreitetes aber nicht häufiges Moos, das in lockeren bis dichten, grünen bis gelblich-grünen, etwas glänzenden, bis 2 cm hohe Rasen wächst. Es fruchtet im Frühjahr und Sommer und ist regelmäßig mit Kapseln zu finden.

Erkennungsmerkmale
Pohlia nutans bildet wurzelfilzige Stängel aus, die am Grunde rotbraun gefärbt sind. Die bis 4 mm großen Blätter stehen aufrecht am Stängel, sind allmählich bis scharf zugespitzt, eilanzettlich geformt und trocken verbogen. Die an der Spitze stehenden Schopfblätter sind nicht selten dachziegelig anliegend und an der Spitze leicht gesägt. Der Blattrand ist meist bis über die Hälfte schwach umgeschlagen. Die gegenüber Bryum deutlich längeren Laminazellen sind etwa 6x so lang wie breit, verlängert rhombisch geformt etwa 100 µm lang und 8 bis 16 µm breit. An der Spitze des Blattes sind die Zellen linealisch geformt, am Grunde sind sie breiter und weisen verdickte Zellwände auf. Die Blattrippe ist kräftig entwickelt, rotbraun gefärbt und endet vor der Spitze. Die rotbraune, bis 5 cm lange Seta, ist trocken etwas verdreht. Die gelblich bis rotbraune Kapsel ist nickend bis hängend und oval bis eilänglich geformt. Der kegelartige Kapseldeckel hat eine kleine Spitze. Das äußeres Peristom ist fein paillös, hellgelb gefärbt und gesäumt. Das innere Peristom ist hyalin. Die papillösen Sporen erreichen einen Durchmesser von etwa 15 bis 28 µm.

Vorkommen
Pohlia nutans besiedelt kalkarme, etwas basenhaltige, halbschattige bis schattige, trockene bis feuchte, mäßig nährstoffreiche Standorte auf lehmiger, sandiger oder humoser Erde. Nicht selten ist es auch auf Torf, morschem Holz, übererdetem Fels oder auf Ziegeldächern zu finden. Es ist ein typisches Charaktermoos der kalkarmen Wälder und kommt häufig auch an Waldwegböschungen und in Hochmooren vor. Typische Begleitmoose sind Hypnum cupressiforme, Plagiothecium spp., Dicranum scoparium, Dicranella heteromalla und Polytrichum formosum. Das Moos besitzt eine überwiegend circumpolare Verbreitung in den gemäßigten bis subarktischen Regionen.

Pohlia melanodon (Rötliches Pohlmoos)

pohlia melanodon
Pohlia melanodon
pohlia melanodon blatt
Pohlia melanodon
Blatt (40x)
pohlia melanodon lamina
Pohlia melanodon
Laminazellen (400x)
Das Rötliche Pohlmoos Pohlia melanodon wächst in lockeren bis mäßig dichten, meist kleinen, bis 1 cm hohen schmutziggrünen bis bräunlichgrünen, unten rötlich gefärbten Rasen. Nicht selten wird es wegen seiner undeutlichen Merkmalsausprägungen übersehen oder mit anderen Pohlia-Arten verwechselt.

Erkennungsmerkmale
Die Pflänzchen glänzen nur im feuchten Zustand, im trockenen sind sie deutlich matt. Besonders charakteristisch ist das rötliche Stämmchen, das trocken leicht verbogene, feucht abstehende Blätter trägt, die etwa 3 bis 5 mal so lang wie breit sind. Sie sind allmählich zugespitzt, am Grunde nicht selten rötlich gefärbt und eiförmig bis lanzettlich geformt. Die oberen Schopfblätter sind stets länger und schmaler als die darunter liegenden Blätter. Der Blattrand ist oft leicht umgebogen und kann und in der Mitte auch gesägt sein. Die rötliche Mittelrippe endet gewöhnlich vor oder in der Blattspitze. Die dünnwandigen Laminazellen sind verlängert rhombisch, 4 bis 6 mal so lang wie breit und in der Blattmitte etwa 60 bis 75 µm lang und 11 bis 20 µm breit. Der Blattrand ist durch 1 oder 2 Reihen schmalerer Zellen schwach gesäumt. Die gelbrötliche, bis 2 cm lange Seta ist an der Spitze hakig gekrümmt und verdickt. Die kegel- bis halbkugelförmige Sporenkapsel ist hängend, rötlichgelb bis bräunlichrot gefärbt und ziemlich plötzlich in einen leicht gebogenen Hals verschmälert. Das äußere, braunrote Peristom weist 25 bis 30 Lamellen auf. Das innere Peristom ist dagegen gelblich gefärbt. Die Sporen haben einen Durchmesser von 14 bis 20 µm und sind oft fein punktiert. Eine Sporenreife erfolgt relativ selten im zeitigen Frühjahr.

Vorkommen
Das pionierfreudige Pohlia melanodon besiedelt kalk- oder basenreiche, frische, feuchte bis nasse, mäßig nährstoffreiche, lichte bis halbschattige Standorte. Es wächst auf lehmiger oder toniger, offener Erde natürlicherweise an Erdabbrüchen von Schluchten, an Steilhängen von Gewässerufern und sekundär an Waldwegen, an Torf-Ausstichen, in Böschungen und Wegrändern. Häufige Begleitmoose sind einige Dicranella-Arten.

Rhodobryum roseum (Rosenmoos)

rhodobryum roseum
Rhodobryum roseum
rhodobryum roseum blatt
Rhodobryum roseum
Blatt (20x)
rhodobryum roseum rhizoidfilz
Rhodobryum roseum
Rhizoide am Stängel (30x)
Das Rosenmoos Rhodobryum roseum ist ein akrokarpes Laubmoos das besonders attraktive sattgrüne Polster bilden kann. Seine Stämmchen sind durch spezielle Leitungszellen, die die Weiterleitung von Assimilaten ermöglichen, relativ hochdifferenziert.

Erkennungsmerkmale
Einzelne Pflanzen von Rhodobryum roseum wird etwa 5 bis 6 cm groß. Sie wachsen herdenweise eingesprengt zwischen anderen Moosen oder bilden dunkelgrünen Rasen. Das Moos zeichnet sich durch die großen, rosettig gestellten Schopfblätter an der Spitze des Stämmchens aus, während darunter am Stängel nur vereinzelt, schuppenförmige, entfernt gestellte Blätter ausgebildet werden. Die Blattrosetten bestehen aus 15 bis 23 Blättern, die trocken gewellt und eingedreht sind. Die Blattränder sind im oberen Teil der Blätter zurückgebogen und gezähnt und weisen keinen deutlichen Saum auf. Die Mittelrippe endet unterhalb der Blattspitze. Die Laminazellen sind verlängert rhombisch bis sechseckig, etwa 100 bis 170 µm lang und 20 bis 40 µm breit. Die bis 5 cm lange, aufrechte Seta trägt eine hängende bis aufrechte, zylindrische, bräunlich gefärbte Sporenkapsel, die 16 bis 25 µm große Sporen ausbildet. Das diözische Moos entwickelt Sporophyten jedoch nur selten. Eine Sporenreife erfolgt im Winterhalbjahr.

Vorkommen
Rhodobryum roseum besiedelt kalkarme bis -reiche, schwach basische bis schwach saure, humose, lehmige, sandig-lehmige Erde an ist an frischen bis feuchten, halbschattigen oder beschatteten, luftfeuchten Standorten in Wäldern und Gebüschen, an Böschungen, an feuchten Wegrändern, Bach- und Flussufern, in Auwäldern, an moorig-sumpfigen Stellen und seltener auf Wiesen und an Waldrändern zu finden. Typische Begleitmoose sind Calliergonella cuspidata, Cirriphyllum piliferum, Climacium dendroides, Plagiochila asplenoides, Plagiomnium affine, Plagiomnium undulatum, Rhizomnium punctatum oder Thuidium tamariscinum. Das in Deutschland und Europa weit verbreitete Moos dringt bis in subalpine Höhenstufen (etwa 2000 m) vor. Es kommt auch in Teilen Asiens und Nordamerika vor. Im Flachland ist das Moos jedoch etwas weniger häufig.

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Rhodobryum roseum
Blattspitze (40x)
rhodobryum roseum blattrand
Rhodobryum roseum
Blattrand (250x)
rhodobryum roseum lamina
Rhodobryum roseum
Laminazellen (250x)